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Ins Trainingszentrum mit 580 Betten
Rund 60 Leverkusener Sportlerinnen und Sportler möchten sich den Traum einer Teilnahme an den Olympischen Spielen (8. bis 24. August) beziehungsweise den Paralympics (6. bis 17. September) in China erfüllen.
Jörg Frischmann nippt ganz vorsichtig an einem hellen Becher mit heißem Kaffee. Dann schlägt er einen schwarzen Din-A 4-Ordner auf. Säuberlich abgeheftet finden sich darin aktuelle und wichtige Informationen zu den Paralympics in Peking. Bei den Behindertensportlern des TSV Bayer 04 laufen die Vorbereitungen auf dieses sportliche Großereignis auf vollen Touren. Jörg Frischmann ist Geschäftsführer dieser Abteilung und unter anderem für die Organisation von kleinen wie großen Veranstaltungen verantwortlich.
Zugleich ist der 44-Jährige mit der angeborenen Fehlbildung an beiden Händen und Füßen ein außergewöhnlich erfolgreicher Sportler. Viermal war er bereits bei Paralympics am Start. Dreimal brachte der aufs Kugelstoßen und Speerwerfen spezialisierte Athlet Gold mit nach Hause. 1992 aus Barcelona (Kugelstoßen) und 2000 aus Sydney (Kugelstoßen und Speerwurf). An die Paralympics in Australien erinnert sich Frischmann besonders gerne zurück, nicht nur seiner Erfolge wegen. „Die Menschen dort waren unglaublich herzlich. Das wird es in dieser Form in Peking allerdings nicht geben.“ Davon ist der Geschäftsführer der Leverkusener Behindertensport-Abteilung überzeugt.
Die Chinesen werden dagegen, glaubt Frischmann, alles daran setzen, ihre sportliche Macht zu demonstrieren und sich als Weltmeister der Organisation zu präsentieren. Davon konnte er sich als Mitglied einer Leverkusener Delegation vor Ort bereits überzeugen. Im Anschluss an die Weltmeisterschaft in Taipeh im vergangenen Jahr nahm Frischmann gemeinsam mit den Leverkusener Trainern Karl-Heinz Düe und Hans Dieter Antretter an einer vom Auswärtigen Amt geförderten Pekingreise teil.
„Die chinesische Regierung hat vor den Toren Pekings ein Paralympisches Sport- und Trainingszentrum gebaut, das ausschließlich behinderten Athleten zur Verfügung steht und barrierefrei konzipiert ist. Geschätzte Kosten, 500 Millionen Euro.“ Frischmann ist beeindruckt. Zu diesem Komplex gehören unter anderem ein siebenstöckiges Wohngebäude mit 580 Betten, Multifunktionshallen für alle paralympischen Sportarten, eine riesige Schwimmhalle plus Einschwimmbecken, Leichtathletik-Halle und -Außenanlage, zwei Fußballfelder, ein überdachtes Radstadion sowie eine Bogensportanlage.
Welche Bedeutung die Chinesen den Paralympics beimessen, verdeutlicht auch die Zahl der gesichteten Athleten. „Rund 1,8 Millionen Behindertensportler wurden in einem Kadersystem in Augenschein genommen“, erzählt Frischmann. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa 1500 Sportler, die sich bewähren müssen. Eines sei auf jeden Fall klar, so Frischmann, „jeder von uns, der in Peking eine Medaille gewinnen möchte, der muss erst mal die Chinesen schlagen“.
Damit die deutschen Behindertensportler überhaupt konkurrenzfähig sein können, wurde ein deutsches „Top-Team“ zusammengestellt, das zurzeit 47 Athleten umfasst. Acht davon kommen allein aus Leverkusen. Neben den Leichtathleten Astrid Hoefte, Michaela Floeth, Kati Green, Heinrich Popow, Jörg Frischmann und Mathias Mester gehören Schwimmer Sebastian Iwanov und Radsportlerin Natalie Simanowski zur Eliteauswahl. Ähnliche Bedingungen schaffen, wie sie beispielsweise im Behindertensport in Bosnien, England, Griechenland oder in Australien vorhanden sind, lautete die Vorgabe. „So drillen die Australier ihre Athleten in einem Institut of Sports“, weiß Frischmann.
Medaille im Visier
Davon unbeeindruckt, strebt der Leverkusener aber in Peking wieder eine Medaille an. Die geforderte Norm im Kugelstoßen von 14,90 Meter habe er bereits erfüllt und damit seine Teilnahme gesichert, sagt Frischmann und nimmt einen Schluck Kaffee aus dem Becher. Dann schnappt er sich den schwarzen Din-A 4-Ordner. Weitere Unterlagen zu den Paralympics sind eingetroffen und müssen abgeheftet werden: Die Vorbereitungen für dieses Großereignis laufen auf vollen Touren.
Quelle: Kölner Stadtanzeiger
Internet: www.ksta.de











